Historie

Der 1892 in Hagen gegründete „Verein für Feuerbestattung“ stellte 1903, vertreten durch den 1. Vorsitzenden, den Sanitätsrat Dr. Eduard Müller, an die Ordnungsbehörde einen Bauantrag für ein Krematorium Die Genehmigung wurde erteilt, jedoch mit dem Zusatz, dass Einäscherungen in Preußen nicht zugelassen seien. Die Inbetriebnahme des 1907 errichteten Krematoriums wurde durch die preußische Regierung untersagt. Der „Verein für Feuerbestattung“ führte einen jahrelangen Rechtsstreit mit den Behörden. Erst die gesetzliche Regelung der Feuerbestattung in Preußen 1911 erlaubte am 16. September 1912 die Eröffnung des Krematoriums und damit die erste Einäscherung in Preußen.

Der Entwurf für das Krematorium stammt von dem Künstler und Gestalter Peter Behrens, der von dem Mitbegründer des Feuerbestattungsvereins und Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus 1905 mit der Planung beauftragt wurde. Das zwei Jahre später fertig gestellte Krematorium hob sich mit seinem kubisch  geschlossenen, streng symmetrisch gestalteten Baukörper und der für die damalige Schaffensperiode von Behrens’ typischen schablonierten Liniendekoration von früheren Entwürfen für Krematorien ab. Bezugnehmend auf die frühchristliche Kirche San Miniato al Monte in Florenz vereinte Behrens die säkulare Funktion mit einer sakralen Atmosphäre.

Dem Sakralbau hat Behrens eine streng geometrische Form gegeben. Der vorragende Eingangsbereich wird durch sechs quadratische Pfeiler gestützt. Über dem Eingang erhebt sich eine fensterlose  Fassade. Der Schornstein, ein hoher rechteckiger Turm, einem Glockenturm ähnlich, wurde von Behrens als wichtiger architektonischer Bestandteil dem Gebäude angefügt Ursprünglich war die Fassade des Gebäudes mit Marmorplatten verkleidet.

Aufgrund einer mangelhaften Befestigung wurden sie wegen Verletzungsgefahr bereits nach einem Jahr entfernt. Behrens gelang es, die relativ kleine Halle monumental erscheinen zu lassen und ihr eine dem Anlass angemessene Atmosphäre zu verleihen. Das Innere der Andachtshalle griff die  ursprünglichen  Gestaltungsmerkmale der schwarz-weiß Ornamentik von außen in vielfacher Variation wieder auf. 

Der Fußboden ist mit schwarz-weißen Fliesen mit unterschiedlichem Dekor belegt. In farblicher Korrespondenz dazu sind die Wände schwarz-weiß in Sgraffitotechnik gestaltet. Im Eingangsbereich erkennt man einen kleinen Narthex, der auf der gegenüberliegenden Seite mit einer Apsis  korrespondiert. Im Eingangsbereich führen Stufen zu einer Empore, die im vorragenden Teil  ursprünglich die Orgel beinhaltete. Lediglich die Verkleidung in Rosettenform, hinter der sich die Orgelpfeifen befanden, ist erhalten.

Das Dekor auf der Apsidenseite erinnert mit dem spiralförmigen Oktogonalmuster an die riesigen  Voluten der Fassade von Santa Maria Novella in Florenz. In der halbkreisförmigen Apsis mit schwarzen Marmorsäulen erscheint in der Wölbung das Steinmosaik von Emil Rudolf Weiß. Mit der goldenen  Fassung erinnert es an die Mosaiken in Ravenna. Im Verzicht auf christliche Ikonographie sind drei kniende Jünglinge zwischen Bäumen auf einem blumengeschmückten Rasen dargestellt. Die mittlere Gestalt hebt segnend die Hände. Links erscheint eine schlafende, rechts eine erwachende  Jünglingsgestalt. Sie stehen sinnbildlich für das Werden und Vergehen. Sinnfällig ist zwischen den Palmenzweigen im oberen Bereich, ein Zitat aus Johann  Wolfgang von Goethes „Faust II“ eingefasst: „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis “.

Das Gebäude erscheint sowohl stark entfernt von den Lineaturen des Jugendstils als auch von der funktionalen Sachlichkeit, zu der sich Behrens später bekannte. Das Gebäude wirkt in seiner strengen Monumentalität fast klassizistisch, ähnlich der Cuno-Villa in Hagen-Emst, die Peter Behrens 1909/10 im Auftrag von Karl Ernst Osthaus entworfen hat.